Analytische Einzeltherapie

Analytische Einzeltherapie2018-10-30T18:06:55+00:00

Es gibt Momente im Leben, da erscheint die persönliche Lage so schwer, dass man sich denkt, es geht alleine nicht weiter. Es gibt Situationen, die fordern so sehr bis an die Grenze, dass es hilft, wenn man sich mitteilen kann.

Analytische Einzeltherapie ist eine Möglichkeit, Hoffnung zu schöpfen, wieder frei zu denken, freier zu handeln und schmerzliche Erfahrungen zu bewältigen. Psychoanalytische Einzeltherapie ist das Beschreiten eines neuen Weges, zuerst im Schutzraum der Beziehung zu einem Therapeuten. In der intensiven, vom Therapeuten stützend begleiteten Arbeit über ein Jahr oder länger können auch alte Wunden aufgesucht und nach Möglichkeit geschlossen werden. Weit über tagesaktuelle Krisen hinaus kann eine strukturelle Neuorientierung des Erlebens der eigenen Person, des Auftretens in der Welt angestrebt werden.

Angelpunkt für das Möglich-Werden von tief greifenden, persönlichkeitsstrukturellen Veränderungen ist die Beziehung zum Therapeuten. In ihr wiederholt sich die bisherige Beziehungs- und Leidensgeschichte, wird es aber auch möglich neue Beziehungsmöglichkeiten zu finden, zu erproben und zu festigen.

Wichtig ist daher, dass Patient und Therapeut zueinander passen. Man sollte keine Therapie machen mit einem Therapeuten/in der/die einem spontan und durchgängig unsympathisch ist. Um dies abzuklären gibt es vor Beginn jeder Therapie mindestens 4 probatorische Sitzungen.

Analytische Einzeltherapie kann, wie bereits von Freud entwickelt auf der Couch stattfinden, im sich gegenüber sitzen, aber bei manchen Patienten im Spazieren gehen. Während am Anfang der Entwicklung analytischer Psychotherapie (Psychoanalyse), der Therapeut versuchte sich neutral, wie ein Spiegel zu verhalten, wissen wir heute, dass Veränderung eben nur im Hier und Jetzt der Beziehung zwischen Patient und Therapeut und Therapeut und Patient bewirkt wird. Je nach Ausmaß der Persönlichkeitsstörung wird ein kompetenter Therapeut somit auch fähig sein, dem Patienten als realer Mensch zur Verfügung zu stehen, und ihm evtl.  für einen gewissen Zeitraum anfangs auch als Stütze und Schutz an der Seite zu stehen.

Ziel ist es, gemeinsam ein Arbeitsbündnis, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, welche es ermöglicht die erlebte und oft auch erlittene Lebensgeschichte zu betrachten, ein Gefühl dafür zu erarbeiten, in wieweit der Patient auch heute noch unter dem Einfluss oder gar der Macht vergangener Beziehungen lebt, ihn zu unterstützen sich abzugrenzen, und sein Leben im Hier und Jetzt, befreit von den Fesseln seiner Vergangenheit leben zu können. Herauszufinden, wer bin ich wirklich und was möchte ich, sind oft wichtige Bestandteile einer gelingenden analytischen Psychotherapie

Die stärkste Kraft therapeutischer Arbeit liegt jedoch neben theoretischen Kenntnissen und Techniken in der Kraft, die aus der Beziehung zum Therapeuten entsteht. Eine intensive therapeutische Beziehung aufzubauen, also ein kraftvolles „Arbeitsbündnis“ im Dienste der Bewältigung erlebter Krisen, das ist das erste Etappenziel einer gelingenden analytischen Psychotherapie. Ein vom Vorleben unbelastetes, durch den therapeutischen Rahmen geschütztes und getragenes Verhältnis zum Analytiker bietet Möglichkeiten, die die Patientin oder der Patient für sich konstruktiv nutzen kann.

Gleichzeitig gilt es jedoch auch während der probatorischen Sitzungen abzuklären und m Laufe des therapeutischen Prozesses fortlaufend zu überprüfen, ob das Setting der analytischen Einzeltherapie das für diesen konkreten Menschen geeignete Verfahren ist, oder ob eine analytische Gruppentherapie, oder eine Kombination beider Verfahren für ihn nicht hilfreicher wären und mehr Aussicht auf Erfolg böten. Therapie ist für den Patienten da, und nicht der Patient für die Therapie.

Der Zeitrahmen einer analytischen Psychotherapie  bewegt sich, wenn von den gesetzlichen Kassen finanziert zwischen  25 und 300 Sitzungen.

Eine analytische Psychotherapie kann helfen bei Ängste, Niedergeschlagenheit, Unruhe, Lebensunlust, innerer Rückzug, Depression, sich wiederholende Kontakt- und Beziehungsschwierigkeiten, Spannungszustände, z. B. Spannungskopfschmerzen, Schlafstörungen, Nägelkauen, Tics

Zwänge, d.h. immer wiederkehrende Gedanken oder Handlungen, die als störend oder unsinnig erlebt werden, selbstverletzendes Verhalten, Gedanken an Selbsttötung, auffallend aggressives Verhalten, Persönlichkeitsstörungen Lern- und Arbeitsstörungen, sexuellen Problemen, Suchtverhalten, z.B. Alkohol, Medikamente, Drogen, Spielsucht, Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Fettsucht, körperliche Erkrankungen wie Asthma, Migräne oder Neurodermitis, an denen häufig auch seelische Faktoren als Auslöser mit beteiligt sind.

Eine abgewandelte Form der analytischen Einzeltherapie ist die Psychosenpsychotherapie. Sie kann nach durchlebten Psychosen und bei Erkrankungen aus dem Schizophrenen und Schizoaffektiven Formenkreis sehr hilfreich sein.

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